
Das Vertrauen in die Politik ist zerrüttet, nicht zuletzt durch das Handeln der Bundesregierung in Corona-Zeiten. Nun kommen neue Erkenntnisse ans Licht, die das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger weiter schrumpfen lassen dürften.
von: DANIELE KLOPP UND NINO SCOPPETTUOLO
BERLIN. Horst Seehofer steht nicht erst seit kurzem in der Kritik, doch werden die Rufe nach dessen Rücktritt in diesen Tagen zunehmend lauter. Der Grund: E-Mail-Nachrichten, aus welchen wohl explizit hervorgeht, dass das Innenministerium regelrechten Druck auf eine Vielzahl von Wissenschaftlern ausübte, damit diese in einem „Geheimbrief“ der Bundesregierung ein mögliches – jedoch nicht absehbares – „Worst-Case-Szenario“ darstellten. Die Nachrichten sollen noch aus dem Frühjahr des vergangenen Jahres stammen.
Populär wurden die Enthüllungen erstmals am Sonntag, nachdem die „Welt am Sonntag“ den Skandal druckte und am Nachmittag auch digital veröffentlichte. In Sekundenschnelle verbreitete sich der brisante Inhalt, im Netz folgte Wut und Empörung – und wie bei jedem Skandal neue Rufe nach dem Rücktritt des Innenministers Horst Seehofer (CSU).
Doch damit längst nicht genug. Denn der Springer-Konzern, zu welchem auch die „Welt“ gehört, liefert schon einen Tag später die nächste Schlagzeile. Gleiches Thema. Gleicher Skandal.
Diesmal die „Bild“-Zeitung, die über mögliche Verstrickungen des Kanzleramtschef Helge Braun in die Corona-Affäre berichtet. Dieser soll sich zwar – im Gegensatz zum Staatssekretär des Innenministeriums – weniger mit dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, dafür umso mehr mit den Zuständigen der Leopoldina, welche die Bundesregierung ebenfalls berät, beschäftigt haben.
Insgesamt wird deutlich, dass die Lage im Frühjahr scheinbar nicht so dramatisch gewesen ist, wie sie dargestellt wurde. Die Bundesregierung hat bewusst Panik und Ängste geschürt, das in Teilen bereits zerrüttete Vertrauen in der Bevölkerung weiter angekratzt.
Scheuer, Seehofer, Braun und Co. – die Bundesregierung muss dringend in den eigenen Reihen aufräumen und insbesondere in Corona-Zeiten Vertrauen schaffen. Zügig!
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