Fassmer schließt Traditionsschiffbau Rechlin

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RECHLIN. BERNE. Der Schiffbauer Fassmer GmbH & Co. KG schließt seinen ostdeutschen Traditionsschiffbaustandort Rechlin an der Müritz (Mecklenburgische Seenplatte). Hintergrund sind die Probleme in der Werftindustrie, wie Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (CDU) am Sonntag erklärte. Die Geschäftsführung im niedersächsischen Berne habe mitgeteilt, dass die vor 25 Jahren gegründete Fassmer-Tochter in Rechlin überraschend schon Ende März ihre Tore schließen wird. Den noch 30 Mitarbeitern sei dies bereits mitgeteilt worden. „Das ist eine schlimme Entscheidung für uns“, sagte Ringguth. Fassmer müsse sich verkleinern, um am Markt zu bleiben, und ziehe sich nach Niedersachsen zurück.

Bei der Fassmer-Gruppe in Berne war am Wochenende niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Zuvor hatte die Nachrichtenplattform „Wir sind Müritzer“ über die geplante Schließung berichtet.

Als Begründung habe die Firma unter anderem den wirtschaftlichen Druck durch die Corona-Pandemie genannt. Dazu gehört auch die Kreuzfahrtbranche, für die die Firma Gangways, Rettungsboote und andere Anlagen baut. Durch die Corona-Krise waren mehrere solcher Schiffbauprojekte verschoben worden.

Rechlin war über Jahrzehnte dafür bekannt, dass dort unter anderem Frei-Fall-Rettungsboote für große Schiffe gefertigt wurden. Die Formen und Pläne für diese Rettungsboote waren im Zuge der Privatisierung durch die Treuhand verloren gegangen. Fassmer war Mitte der 1990er Jahre nach Rechlin gekommen, weil dort auch Behördenboote gebaut wurden. Mit Fördermitteln war der Standort auch noch ausgebaut worden, wie Ringguth sagte. Er habe gehofft, dass die hochqualifizierten Arbeitsplätze erhalten werden können. Man müsse „die unternehmerische Entscheidung aber respektieren.“ Er hoffe auf eine maritime Neuansiedlung.

Zuletzt waren in der Fassmer Schiffsservice GmbH Rechlin unter anderem komplizierte Schweißteile und Anlagen für Megajachten, Kreuzfahrtschiffe sowie Zubehör und Landeplattformen für Hubschrauber auf großen Windkraftanlagen produziert wurden. Noch vor einem Jahr hatte Geschäftsführer Harald Fassmer von einer „stabilen Auftragslage“ gesprochen. Kritik an der Schließung äußerte Kreistagspräsident Thomas Diener (CDU). Es habe vorher keine Anzeichen für Probleme gegeben. Die Region hat seit Monaten mehrere solcher Rückzüge von Unternehmen aus den alten Bundesländern verkraften müssen.

Zur Fassmer-Gruppe mit Hauptsitz in Niedersachsen gehörten bisher 1600 Mitarbeiter an mehreren Standorten, darunter in Polen und China. In China werden seit Jahren auch die Rettungsboote für den asiatischen Markt gebaut. Der Jahresumsatz wurde von Fassmer mit 150 bis 200 Millionen Euro angegeben.

(dpa)